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Archäologie: Kindsknochen und die Frage nach Kannibalismus

In der El Castillo-Höhle fand man Knochenreste eines Jungen und es drängt sich die Frage auf: War es Kannibalismus?

Die Funde sind Knochenreste eines Kindes in Kantabrien, das bei seinem Tod fünf Jahre alt war. Die Funde sind keineswegs neu, sie wurden bereits vor über 100 Jahren – 1912 – gefunden. Aber sie verschwanden und tauchten nun wieder auf. Dabei geht man der Frage wieder nach: Unter welchen Umständen starb das Kind.

Auf den Knochen fand man Einkerbungen, die sich abzeichnen, weil man versuchte, dessen Fleisch mit Steinwerkzeugen zu entnehmen. Dafür gibt es nur drei Erklärungen Kanabalismus, Tiere oder ein Ritual. Die Entdeckung der Knochen wurde damals vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überdeckt. Derweil verschwanden die Fragmente, die zunächst im m prähistorischen Museum von Kantabrien aufbewahrt wurden.

Vor drei Jahren fand man sie wieder. Man hatte offenbar versucht, mit den Zähnen eine DNS-Untersuchung durchzuführen. Das war aber nicht erfolgreich. Inzwischen fand man heraus, dass der damalige Archäologe, Hugo Obermaier, auch Überreste eines Erwachsenen fand. Das Kind war ein Homo sapiens und lebte vor 27.000 Jahren – zur Zeit der Höhlenmalerei. Auch in dieser Höhle fand man davon Zeugnisse. Es war offenbar ein Ort für Festivitäten, denn fand die Knochen von rund 200 Hirschen.

Auch die Neanderthaler lebten hier bereits, sie nutzten die Höhle vor 200.000 Jahren. Der moderne Mensch nutzte die Höhle noch bis in die Bronzezeit vor 5.000 Jahren.

Ein Essensmangel gab es zum Todeszeitpunkt des Kindes offenbar nicht, das zeigten auch die Zahnfunde des Kindes.Die Menschen gehörten wohl zu einer Kultur der Altsteinzeit, die ganz Europa vor 30.000 Jahre erfasste. Funde der Kultur fand man auch in Italien. Dazu gehörte ein Muschelschmuck für den Kopf oder ein Dolch.

Die neueren Untersuchungen der Knochenfunde des Kindes aus Kantabrien deuten darauf hin, dass man versuchte die Zunge des Jungen nach dem Tod herauszuziehen. Es gibt Fachleute, die von einem Trauerritual ausgehen. Vielleicht, so andere Archäologen, hat es eine symbolische Bedeutung. Vielleicht haben sich auch Tiere daran gemacht. Auch Kannibalismus aus rituellen Gründen oder aus Feindschaft ist weiter im Bereich des denkbaren.

Es bräuchte einen Kontext und dafür bräuchte es mehr Funde. Ob einige Funde noch verborgen sind, verloren gingen oder durch Menschenhand vernichtet wurden, ist unklar. Die Höhle diente lange Zeit als Parkplatz.